

„Konzentration - diese war nötig, damit er in seinem bürgerlichen Beruf als Polizeibeamter die einzelnen, vorliegenden Aufgaben mit pflichtgemäßer Aufmerksamkeit bearbeiten konnte; doch als ihm -, dem gerade einmal 37 Jahre alten Familienvater, dessen Ehefrau ihm kürzlich das dritte Kind geschenkt hatte, sein Arzt mit leisem Bedauern mitteilte: "sein Leben wird ab sofort nicht mehr so sein wie davor, denn er litte an einer Parkinson-Erkrankung", da fiel es ihm, äußerlich standhaft bleibend, aber innerlich erschüttert ob dieser Diagnose, schwer, weiterhin, ohne darin mit seiner Leistung nachzulassen, seine berufliche Pflicht zu erfüllen, wie auch den Alltag und die Freizeitgestaltung eines normalen Familienlebens zu bewältigen -: Es traten Konzentrations-Störungen auf, und er musste die in ihm aufsteigende Unruhe und Angst - bezüglich einer Krankheit, deren Anzeichen und Verlauf nicht heilbar, nur eindämmbar sind.
Zu jener Zeit, es sind jetzt 25 Jahre her, war er am Abend oder an den Wochenenden, in manchen, alleine verbrachten - für ihn kostbaren Stunden damit beschäftigt, Zeichnungen zu erstellen, kleinformatige, originelle Werke, mit spitzem Stift festgehalten - wobei: Was hielten sie fest? Es waren skurrile, ungewöhnliche, fantastische Gebilde, deren scheinbare Irrealität nicht der bloßen Anschauung wirklicher Dinge und Gegenstände entspringen konnte, sondern die reinen Erfindungen der Vorstellungskraft des künstlerisch tätigen Mannes waren.
Es gingen für den weiter berufstätigen Polizisten und Familienvater die Jahre dahin. Der zitternden Hand und den auftretenden muskulären Schmerzen wurde mit der Einnahme von Medikamenten entgegengewirkt. Das Zeichnen seiner nonkonformen - scheinbar nicht mit der Realität der Welt übereinstimmenden, schwarzweißen Bilder wurde durch das Malen mit Farben ergänzt, die Formate seiner Werke nahmen an Größe zu.
Da seine Schöpfungen im Kreise seiner Kollegen, Freunde und Bekannten Anklang fanden, und da das eine oder andere Werk aus seinem Zimmer unter dem Dach seines Hauses den Ort wechselte und in den Wohnräumen der Interessierten an einer Wand hing, wurde er dazu ermutigt, erste kleine Ausstellungen mit Vernissagen zu veranstalten. Er wurde ein regional nachgefragter Künstler.
Was aber gefiel seinen Kunden an seinen, der modernen Malerei zuzuordnenden Gemälden? Der künstlerisch ganz unbedarfte Betrachter eines seiner Werke, wie jene zu Beginn seines öffentlichen Wirkens in einem Café an seinem Heimatort ausgestellt waren, könnte sich die Frage gestellt haben: "Was geht nur in seinem Kopf vor?"
